Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Biologie:
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Deutsch:
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Romantikrezeption
Epochenabgrenzung
Mode und Zeitgeist
Mode und Technik
Mode und Geschichte
Englisch:
Background
Philosophical
Social and cultural
Older poets
Painters
Younger poets
Transition Period
Geschichte:
1765-1819
1820-1847
1848-1871
Statistischer Anhang: Bevölkerung
Statistischer Anhang: Wirtschaftsdaten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

Weltsicht der Romantik

Historischer Hintergrund

Ziele und Absichten der Romantik

Motive der Romantik

Das Selbstverständnis des Menschen

Das Individuum in der Gesellschaft

Historischer Hintergrund:

Vor allem durch die Französische Revolution und die Herrschaft Napoleons verursacht gingen in Europa gewaltige Veränderungen in politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht vor sich. Die frz. Revolution begann am 14. Juli 1789 mit dem Sturm auf die Bastille. Zunächst wurde die Revolution in Deutschland begeistert aufgenommen, da man noch Parallelen zwischen den Ideen der Revolution und den Liberalisierungsbestrebungen des aufgeklärten Absolutismus in Deutschland sah. Als Ludwig XVI. jedoch 1793 hingerichtet wurde und damit eine Schreckensherrschaft begann, schlug diese Sympathie in Ablehnung um. Durch das Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nach der Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. und durch die Mediatisierung und Säkularisation geistlicher und unmittelbarer weltlicher Herrschaftsbezirke entstand weitere Verunsicherung.

Nachdem sich Napoleon 1804 selbst zum Kaiser der Franzosen ernannt hatte, veränderte er in wenigen Jahren die politische Landkarte Europas. Um 1811 schien Napoleon den Gipfel seiner Macht erreicht zu haben, doch zugleich war auch der Widerstand der europäischen Staaten immer mehr gewachsen.

Durch die Befreiungskriege (1813/15) wurde das Machtgleichgewicht in Europa wiederhergestellt. Das Bürgertum wollte auf keinen Fall zur politischen und gesellschaftlichen Situation vor 1789 zurückkehren. Doch auf dem Wiener Kongress (1815) wurde die vorrevolutionäre Ordnung erneuert. Die Reformen beschränkten sich auf eine territoriale Neuordnung zum Deutschen Bund, der eine lockere Vereinigung der dt. Länder mit Österreich darstellte, dessen oberste Behörde der Bundestag in Frankfurt am Main war. Den Vorsitz hatte jedoch Österreich und so konnte Fürst Metternich, der österreichische Staatskanzler, ungehindert eine restaurative Politik betreiben. Auf seine Veranlassung hin wurden 1819 die Karlsbader Beschlüsse bestätigt, die sich gegen liberale und nationale Tendenzen richteten.

Die Reaktion des Bürgertums auf die eigene Machtlosigkeit und die territoriale Zersplitterung Deutschlands war die Sehnsucht nach einer alten, vorabsolutistischen und einer damit quasi naturgewollten politischen und gesellschaftlichen Ordnung. Diese glaubten die Bürger in der Königsherrschaft und der ständischen Ordnung des Hochmittelalters gefunden zu haben. Aus diesem Grund wurde das Mittelalter um 1815 der Fluchtpunkt bürgerlicher Sehnsüchte.

Geschichte der Romantik in Stichpunkten:

1804 - 1814  Napoleon I. Kaiser der Franzosen
1806 Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation
1807 - 1814 Reformen in Preußen (Freiherr von Stein; Wilhelm von Humboldt)
1815 Wiener Kongress (Metternich); Beginn der Restauration
1817 Wartburgfest der deutschen Burschenschaften (Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold)
1819  Karlsbader Beschlüsse: u. a. Pressezensur, Auflösung der Burschenschaften, „Demagogenverfolgung"
1830 Julirevolution in Paris: „Bürgerkönig" Louis Philippe
1832 Hambacher Fest: Massendemonstration des liberalen und nationalen Bürgertums
1833 Gründung des Deutschen Zollvereins; Sturm auf die Frankfurter Wache
1810  Gründung der Universität Berlin (Bildungskonzeption Wilhelm von Humboldts; der Philosoph Fichte wird erster Rektor); Fichte, Schelling und Hegel formulieren die klassische idealistische deutsche Philosophie
1818 Schopenhauer schreibt „Die Welt als Wille und Vorstellung"
  • Deutschland ist ein Agrarstaat
  • Wirtschaft des 19. Jahrhunderts ist vor allem durch technische Erfindungen gekennzeichnet 

  • Einführung von Maschinen ersetzt Handarbeit

  • höhere Produktivität Stellenwert des Geldes stieg

  • Freizeit der Menschen sehr beschränkt
1807 Erste Straßenbeleuchtung in London
1809 T. Sömmening beschreibt einen elektrischen Telegrafen
1811 Friedrich Krupp gründet ein Stahlwerk in Essen
1812 F. Koenig erfindet die Buchdruck-Schnellpresse, mit der ab 1814 die Londoner „Times" gedruckt wird
1817 K. F. Drais entwickelt das Laufrad, woraus später das Fahrrad entsteht
1819 Der Raddampfer „Savannah" überquert als erstes Dampfschiff den Atlantik in 26 Tagen
1821 M. Faraday erfindet das Grundprinzip des Elektromotors
ab 1824 Druck einer Berliner Zeitung auf einer Schnellpresse (von Koenig)
1827 Entdeckung des Ohm'schen Gesetzes
1828 Friedrich Möhler entwickelt erste synthetische Stoffe
1832 Carl Friedrich Gauß benutzt den Elektromagnetismus zur Fernverständigung
1835 optischer Telegraf von Koblenz nach Berlin
1835 Daguerre erfindet die Fotografie (bis 1841 - Talbot) 1835: Die Eisenbahnstrecke Nürnberg-Fürth wird eröffnet
ab 1837 Morse entwickelt den elektromagnetischen Schreibtelegrafen

aus: www.bhak-bludenz.ac.at/literatur/romantik/index.html

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 Ziele und Absichten der Romantik

Als Ausgangspunkt des romantischen Denkens gilt die Annahme, die Welt sei früher eine universale und harmonische Einheit gewesen. Gemeint war z.B. das Mittelalter, die Kindheit oder die Welt der Mythen, Märchen, Sagen und Volkslieder. Hierbei handelt es sich um vergangene Zeiten, die man weder nachprüfen noch erneut durchleben kann. In diesen Goldenen Zeitaltern waren keine Grenzen, weder innerhalb der eigenen Persönlichkeit noch zwischen den Menschen, zwischen Mensch und Natur oder zwischen den Künsten und Wissenschaften vorhanden. Nachdem diese Weltenharmonie durch einen Sünden- oder ähnlichen Zwischenfall verloren ging, konnte die Menschheit sie aber nicht vergessen und trägt daher die Erinnerung an und die Sehnsucht nach diesen vollkommenen Welten immer mit sich herum.

Diese endlose Sehnsucht richtet sich auf eine ferne Zukunft, auf ein unendliches Ganzes, auf die Wiederkehr des verlorenen Goldenen Zeitalters. Der romantische Mensch ist sein ganzes Leben auf der Suche nach der Blauen Blume, die ihm einst als Verheißung im Traum erschienen ist. Je mehr den Menschen bewusst wurde, dass die reale Welt ihren Ansprüchen nach Vollkommenheit nicht mehr genügte, desto mehr sehnten sie sich nach diesen Goldenen Zeitaltern zurück. Die menschliche Endlichkeit, Zerrissenheit und Begrenztheit verstärkten diesen schmerzlichen Kontrast von der Realität zur vollkommenen Idealwelt. Durch die Spannung zwischen ersehnter Vollkommenheit und erlebter Unzulänglichkeit kam es zu der Utopie der wieder auferstehenden goldenen Zeitaltern.

Das Ziel der Romantik war es, die in der Gegenwart vermisste universale Welteinheit in Zukunft zu realisieren. Der romantische Mensch strebte nach Erlösung, Vollendung und wollte über die Welt hinaus. Er versuchte, sich in diese Welt der Vollkommenheit zu integrieren. Die Kraft, die dies erreichen konnte, war die menschliche Einbildungskraft, die Fähigkeit, ohne welche weder Erkenntnis noch moralisches Handeln möglich waren.

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Motive der Romantik

Die Zerrissenheit des zeitgenössischen Menschen wurde in den Motiven des Doppelgängers, des Zwillings, der Maske und des Maskenballs und den Königskindern zum Ausdruck gebracht. Um die Motive darzustellen, mussten die romantischen Menschen sich als poetische und freie Künstler verstehen. Dies machte sie zu Individualisten und grenzte sie gegen den biederen, fantasielosen und gesellschaftlich etablierten sog. „Philister" ab, dessen Genügsamkeit und Sicherheit gleichzeitig verachtet und beneidet wurde.

Der Mensch suchte Gleichgesinnte in (realen oder fiktiven) Geheimbünden, da seine eigene Lebenseinstellung und das Unverständnis, das ihm seitens der Gesellschaft entgegenschlägt, ihn dazu verleiteten. Der romantische Mensch ist stets unterwegs. Im allgegenwärtigen Motiv des Wanderns und Reisens in Raum und Zeit findet sich die Suche nach der „besseren Welt", aber auch die Unrast und Ziellosigkeit des romantischen Menschen wieder, der es in seiner Welt und Gegenwart nicht mehr aushält und das soeben Erreichte durch neu zu Erstrebendes zu übertreffen sucht. Das erstrebte Ziel kann nicht erreicht werden, die Kluft zwischen der endlichen Wirklichkeit und dem goldenen Zeitalters ist nicht aufzulösen - und der Romantiker weiß dies: Die Köngskinder („Hero und Leander", Schiller) können zueinander nicht kommen. Den unsteten, nicht zu sättigenden Romantiker ereilt irgendwann die Vergeblichkeit, das Nichtgelingen des eigenen Lebensentwurfes. Die „rüstigen Gesellen" in den scheinbar so harmlosen Gedichten Eichendorffs verirren sich in dunklen Wäldern, finden sich einsam und fern der Heimat wieder und werden müde und alt.

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Das Selbstverständnis der Menschen in der Romantik

Die deutschen Romantiker hatten das Ziel, die während der Französischen Revolution verbreiteten Ideale (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) in einer besseren Welt zu verwirklichen. Mit dem Beginn der Industrialisierung und dem damit verbundenen Materialismus sahen sie ihre Sehnsüchte jedoch bald zerstört. Durch die allmähliche Entfremdung von der Natur fühlten sich die Romantiker als Fremdlinge in einer Welt, die sie so nicht akzeptieren konnten. Sie sahen sich als Individuen, die aus ihrem ursprünglichen Naturzustand herausgeworfen und immer auf der Suche nach ihrer Heimat seien. So verspürten sie in vielfacher Hinsicht ein tiefes Ungenügen, welches viele Erscheinungen des Alltagslebens betraf.

Das Individuum in der Gesellschaft

Nach Auffassung der Romantiker scheinen sich Individuum und Gesellschaft fast unversöhnlich gegenüberzustehen. Dieser Gegensatz kennzeichnet als wichtiges Motiv alle romantischen Künste. Sowohl auf die Individualität des Einzelnen, als auch auf seine Erfahrungen wird viel Wert gelegt; man erweist ihnen Interesse und Rücksichtnahme.

Das Menschenbild der Epoche betont die Unvergleichbarkeit jedes interessanten Menschen. Daher stehen diejenigen im Mittelpunkt des Interesses, die über außergewöhnliche künstlerische und philosophische Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen. Naturnahe, naive Menschen gewinnen erst dann an Aufmerksamkeit, wenn sie z. B. beim unvermittelten Verstehen übersinnlicher Gegebenheiten als Vorbild dienen können.

In der Romantik gilt der Künstler gewöhnlich als Prototyp (Vorbild) des herausragenden Individuums. Das Interesse gilt auch abweichenden intellektuellen und psychischen Verfassungen, die von gemeinhin kranken oder wahnsinnigen (!) Menschen stammen. Vor allem wegen des Interesses für den Einzelnen berücksichtigt man in der Literatur auch immer die als problematisch angesehene Gemeinschaft. Meist ist es sogar das Ziel literarischer Entwürfe, das herausgehobene, leidende und kämpfende Wesen zur Gemeinschaft zurückzuführen.

Die Sehnsucht des einzelnen Individuums richtet sich zumeist auf eine gemeinschaftliche Identität durch kulturelle Gemeinschaft, in der sein persönlicher Beitrag wirken kann. Jeder soll also seinen eigenen Anteil zur Gesellschaft erbringen. Aus diesem Ideal des Gemeinschaftsgefühls entsteht langsam der Begriff der Kulturnation, der die ideelle Grundlage für den ausgeprägten und weit verbreiteten Nationalismus der Romantik bietet.

Ebenso entstehen neue Rollenmuster, die sich teilweise an literarischen Vorbildern orientieren. Einzelgänger suchen ihre Identität zumeist als Künstler in einer sozusagen ästhetischen Existenz. Viele Bürger grenzen sich allerdings gegen diese scheinbar regellose, bedrohliche Selbstentfaltung ab. Auch das Verhältnis zwischen Mann und Frau wird zum Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Was diesen Bereich anbetrifft, so formuliert die Literatur auch dort neue Leitbilder, die mitunter die Wirklichkeit beeinflussen.

Zuletzt bleibt zum Staatsbegriff noch zu sagen, dass der Gesellschaftsbegriff der romantischen Denkweise kaum von diesem zu trennen ist. Für die zeitgenössischen Theoretiker sind staatliche Strukturen und Ordnungsprinzipien selbstverständlich; auf die in der Aufklärung und während des Revolutionszeitalters entstandenen Ansätze der Demokratie wird jedoch nicht zurückgegriffen. Für Adam Müller war der staatliche Zusammenhang menschlichen Lebens zum Beispiel schon immer vorhanden; dieser muss weder gerechtfertigt noch problematisiert werden. Es geht allein um die Anerkennung einer nicht näher begründungsbedürftigen Ordnung, die schon immer vorhanden war.

Literatur:

Baasner, Rainer/Reichard, Georg: Epochen der deutschen Literatur: Romantik, Stuttgart 2000 (CD-Rom)

Texte, Themen und Strukturen, Deutschbuch für die Oberstufe, Berlin, 1999 (Cornelsen) 

http://www.hausarbeiten.de/archiv/deutsch/deutsch-text309.shtml

 

Verfasser: Miriam Kreuziger, Sabine Susewind, Susanne Pflaumbaum, Bujare Quokovci

 

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