Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Trivialromantik

Was bedeutet Trivialromantik?

Trivialromantik ist ein Sammelbegriff für fiktionale Texte, die weder den formalen noch funktionalen Kriterien der romantischen Literatur entsprechen. Man nennt sie auch Schemaliteratur. Die verfassten Liebesromane sind meistens sehr klischeehaft und stark übertrieben. Trivialromantik zielt auf eine direkte Wirkung ab, hält sich an konventionelle Stilhaltungen und verwendet konstante Grundmuster. Triviale Texte sind oft anspruchslos und bertrieben stark gefühlsbetont (in der heutigen Zeit wären das Groschenromane und Schlager).

Wie entsteht Trivialromantik?

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts spaltete sich schließlich die Literatur in Kunstliteratur und Trivialliteratur. Trivialliteratur entwickelte sich dort, wo die Literatur nur noch für eine kleine Bildungsbürgerschicht verständlich war. Trivialromantik entsteht durch eine starke Übertreibung der Merkmale der Romantik (Gefühle, Sehnsucht) durch die Verfasser. Die Werke (wie z.B. „Mimili" von Heinrich Clauder) sind meist mit kitschigen Gefühlen angefüllt und sehr stark romantisch ausgebaut (aus "Mimili": " Ich wischte mir, vor Freude zitternd, die Tränen aus dem Gesicht"). Dies entsteht dadurch, dass sich die Autoren viel zu sehr auf diese Gefühle einlassen und sich zu sehr hineinsteigern. Vor allem findet man in Trivialliteratur immenses Klischeedenken (z.B. „blondes, blauäugiges, naives Fräulein...")

  • 1771 am 20. März als Sohn eines kursächsischen Amtmannes in Dobrilugk (Niederlausitz) geboren.
  • 1799 heiratet Clauren Henriette Breitkopf.
  • 1811 tritt Clauren in die Dienste des preußischen Reformers August Freiherr Von Hardenberg (1759–1822).
  • 1815 ist Clauren Teilnehmer am Wiener Kongress
  • 1822 stirbt Clauren Frau Henriette.
  • 1831 heiratet Clauren Friederike Sophie, Tochter des Schiffseigentümers J. H. Hambrauer
  • 1854 stirbt Clauren am 2. August in Berlin

Heinrich Clauren

aus: Baasner, Rainer/Reichard, Georg, Epochen der deutschen Literatur: Romantik, Reclam 2000 (CD-Rom)

Werke:

• Gustav Adolph. Ein Familiengemälde aus zwei Jahrhunderten, Leipzig: Beygang, 1791

• Mimili. Eine Erzählung. Dresden: Hilscher, 1816

• Lustspiele. 2 Bde. Dresden: Arnold, 1817

• Meine Ausflucht in die Welt. Eine Erzählung. 2 Bde. Dresden: Hilscher, 1817

• (Hrsg.) Vergißmeinnicht, ein Taschenbuch. 16 Jge. Leipzig: Leo, 1818–34

• (Hrsg.) Allgemeine Preußische Staatszeitung. Berlin 1820–23

• Schriften. 80 Bde. Stuttgart: Macklot, 1827–29• Gesammelte Schriften. 25 Bde. Leipzig: Arnold, 1851

Wie wirkt Trivialliteratur auf das Publikum?

Das Bürgertum zur Zeit der Romantik war nicht sehr stark politisch engagiert. Die dadurch entstehende Unklarheit der Einstellungen gegenüber politischen und gesellschaftlichen Problemen war so immens, dass die Bürger froh waren, Anhaltspunkte zu haben, und die fanden sie in der Trivialliteratur. Sie war einfach zu verstehen und gab (trotz der Klischees) eine scheinbare Hilfe aus dem Durcheinander der Meinungen.

Im Gegensatz zu den Adeligen bzw. den Gebildeten war die Masse des Bürgertums begeistert von Trivialliteratur. Gelehrte und Adelige sahen diese Art von Literatur unter ihrem Niveau und lehnten sie ab.

Textbeispiele:  
Heinrich Clauren, Mimili (Auszüge)

[Die Idylle in den Bergen]

Der Abend war milde und warm; ein leiser Zephyr wehete von den eisigen Gletschern sanfte Kühlung herüber, und Millionen duftiger Blumen würzten die reine Bergluft mit ihren balsamischen Wohlgerüchen.

Es war einer der seligsten Augenblicke meines Lebens; ich staunte immer mit neuem Entzücken von meinem blühenden Klee die Wunderwerke der unbekannten gigantischen Schneewelt da drüben an; ich schlürfte die würzige Atmosphäre mit vollen Zügen ein. Eine namenlose Behaglichkeit ergoß sich über mein ganzes Innere; ich hätte laut mich freuen mögen, wenn nicht eine gewisse De- oder Wehmut mein Gemüt gefesselt hätte. Ich kann es nicht beschreiben, aber es kam mir vor, als wär’ ich so fromm noch nie gewesen. Der uralte ungeheure Koloß von Granitfelsen und funkelndem Eise mir gegenüber – was war 
er weiter als ein kleiner Eiszacken gegen die Myriaden von Sternenwelten am dunkeln Himmel der Mitternacht!

Ich faltete die Hände und betete. Gott war mir nie näher gewesen; da hörte ich Menschentritte in der Ferne.

aus: Schreyer, Reinhard und Ursula, Romantik, Berlin 1997 (Cornelsen), S. 41

Verfasser: Antje Düllmann, Daniel Köhne, Amrei Tschuschke, Dominik König

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