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Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede Stufe 12 Home Vorbemerkung Biologie Deutsch Englisch Geschichte Auswertung |
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Literarischer Markt und Publikum Das literarische Publikum der Zeit ist klein, wächst jedoch nach 1800 kontinuierlich an. Sein Kern ist die Gruppe der Gebildeten, die des Lesens mächtig und in die literarische Ästhetik eingeführt sind. Vor 1800 zählten nur die Adeligen und solche, die höhere Berufe ausübten, wie zum Beispiel Ärzte (akademische Berufe), zum Teil der lesenden Bevölkerung. Ca. 10 % der Erwachsenen dürften um 1800 Leser gewesen sein; ca. 50 % der Bevölkerung waren Analphabeten. Generell war ein konservatives Denken unter der Bevölkerung weit verbreitet. Dies machte sich darin bemerkbar, dass man strikt gegen Veränderungen in verschiedenen Bereichen, wie z.B. in den Naturwissenschaften, war. In den meisten Gedichten ist von der Natur die Rede, jedoch nicht von politischen Begebenheiten. Dies hatte zur Folge, dass das politische Interesse im Bürgertum sehr gering war. Viele Schriftsteller sind Einzelgänger oder Mitglieder kleiner Gruppen, nicht aber Teil einer literarischen Öffentlichkeit. Das soziale Ansehen der Autoren ist hoch, auch außerhalb der gelehrten Institutionen. Der Beruf des Schriftstellers wird im Zuge der Professionalisierung der Branche weitgehend anerkannt. Der Lesestoff breiter Schichten bestand außerdem bis weit ins 18. Jahrhundert hinein aus der Bibel, religiösen Andachtsbüchern, Kalendern und später auch Zeitungen. Dieselben wenigen Bücher und Schriften wurden innerhalb einer Familie von ihren Mitglieder intensiv, d.h. mehrfach gelesen, und die Texte verloren so auch über Generationen hinweg nicht an Autorität. Ein Buch bot Lesestoff für ein ganzes Leben, da einzelne Abschnitte oder Kapitel an bestimmte Zeiten des Tages oder des Kirchenjahres gebunden waren, wie z.B. Advent, Fastenzeit und Ostern. Am Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden in Deutschland die ersten Zeitungen, die von breiten Bevölkerungsschichten gelesen wurden. Zeitungen gelten als aktualitätsbezogene Medien. Zeitungen hatten den großen Vorteil, dass dank ihnen auch interessierte Leser in der Provinz an aktuellen Themen teilnehmen konnten. Bedeutende Zeitungen waren der „Rheinische Merkur" und die „Berliner Abendblätter". Neben den Zeitungen gab es auch Zeitschriften. Diese erschienen jedoch nicht so oft im Jahr, sondern beispielsweise nur vier mal pro Jahr. Das Buch war eines der wichtigsten Medien zur Verbreitung von literarischen Texten. Die Buchproduktion wurde zunächst überwiegend von Gelehrten für ihresgleichen, in Latein, verfasst und publiziert. Bereits ab dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts verliert das Buch seinen Status als relativ luxuriöse Ware. Der Kreis der Leser erweiterte sich, als das aufklärerische Bemühen die Anfänge einer breiten Literalisierung der Unterschichten anregte, ganz im Sinne des neuen Rationalismus und der Aufklärung. Aus dem Bürgertum heraus, das im 18. Jahrhundert eine eigene Schicht und zugleich die Opposition zum Adel und der höfischen Welt darstellte, entstand ein mit dem heutigen vergleichbares Leserpublikum.
Neben den Zeitschriften gab es noch Taschenbücher. Sie erschienen in regelmäßigen Abständen, meist einmal jährlich. Jedes Taschenbuch war in Bändchen abgeschlossen und wurde fest gebunden ausgeliefert. Ein wichtiger Herausgeber ist Heinrich Clauren mit dem Buch „Vergißmeinnicht". Die Unterhaltungsliteratur wurde in Taschenbuchform zu günstigen Preisen verkauft. Hierbei handelte es sich weitgehend um anspruchlose Texte, die von den wohlhabenden und repräsentativen Kreisen gemieden wurden. Daher konnten die romantischen Werke höchstens als schlichte Leserausgaben erscheinen. So kommt es, dass die avantgardistische Literatur zunächst nur von einer kleinen interessierten Gruppe, die der sozialen Stellung der Autoren gleich kommt, gelesen wird. Doch im Laufe der Rezeption wird die Auffassung der Romantik in die Klassikverehrung der gebildeten Leser integriert. Anfänglich zur Zeit der Frühromantik sprechen die Autoren ein bestimmtes Publikum an. Sie zielen auf die geistige Elite, die ihre Ironie und Reflexion zu schätzen weiß, ab. Doch im Laufe der Heidelberger Romantik wird der Versuch gestartet, das breite Leserpublikum und die Gebildeten zusammenzuführen. Seit der Eröffnung von Leihbibliotheken im 19. Jahrhundert wuchs das zeitgenössische Publikum stetig an. Dadurch wurden auch neue Leserschichten erschlossen. Die Leihbibliotheken lösten die Lesekabinette der gelehrten Gesellschaft ab. Insbesondere die Frauen nutzten diese neu entstandene Möglichkeit für sich aus. Doch die Einstiegslektüren, die besonders vom kleinen und heterogenen romantischen Publikum bevorzugt wurden, konnten daher nicht zu hohen Preisen verkauft werden. Anhand erhaltener Belege lässt sich ein geschlechtsspezifisches Leseverhalten erkennen. Die Männer lasen Zeitungen, politische- und Sachbücher, Ritter- und Abenteuerromane, während die Frauen andere Bereiche der Belletristik bevorzugten. Den Autoren war dies bewusst. So sind z.B. in der Rahmenhandlung von Tiecks Zyklus „Phantasus" Frauen die Zuhörer und auch in Friedrich Schlegels „Gespräch über die Poesie" ist es nicht anders.
Auguste Toulmouche, Verbotene Früchte aus: Ariès, Philippe/Duby (Hrsg.), Georges, Geschichte des privaten Lebens, 4. Bd.: Von der Revolution bis zum Großen krieg, Augsburg 2000, S. 505 Im letzten Drittel des 18. Jahrhundert entstanden die ersten Werke der Kinderliteratur als ein relativ eigenständiges Teilsystem der Gesamtliteratur. Dies wirkte sich auch auf die Erziehung der Kinder aus. Die Erziehungsumwelt in diesen Familien wurde eine Leseumwelt, das Buch wurde zum Medium eines einerseits allmählich intimisierten und individualisierten, andererseits pädagogisch bewussten und steuernden, teilweise auch überwachenden Erwachsenen- Kind- Verhältnisses. Der Vater stand mit seiner Autorität für den sachgemäßen Gebrauch der Texte ein. Mütter sah man in der Regel als weniger geeignet an, das Lesen der Heranwachsenden anzuleiten. Denn einerseits galten sie bildungsmäßig als den Männern unterlegen und andererseits ebenso wie die Jugendlichen stark der Gefahr der Beeinflussung durch Bücher ausgesetzt. Diese autoritären Umgangsmuster mit dem Buch verschoben sich dann im 19. Jahrhundert allmählich zum geselligen Umgang mit der Literatur. Nach und nach konnte sich die Unterhaltungsfunktion der Lektüre stärker entfalten. Durch die Verbreitung von Familienzeitschriften wie der „Gartenlaube" wurde das Lesepublikum an Fortsetzungsromane gewöhnt. Diese Zeitschriften galten gänzlich der Unterhaltung.
Vicomtesse de Cistello, Die Antwort aus: Ariès, Philippe/Duby (Hrsg.), Georges, Geschichte des privaten Lebens, 4. Bd.: Von der Revolution bis zum Großen krieg, Augsburg 2000, S. 467 Mit zeitlichem Fortschritt gewann der Brief immer mehr an Bedeutung hinsichtlich der individuellen Kommunikation. Briefe sind schnell zu schreiben und zu transportieren. Zudem werden sie von den betroffenen Personen sofort gelesen. In den Briefen kommen persönliche Meinungen sehr gut zur Geltung. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Aufbau des Postwesens wirksam. Man verlangte danach, regelmäßig und immer „brandneue" Nachrichten zu erhalten. Lebte eine Familie nicht am gleichen Ort, so setzte sie den gegenseitigen Kontakt und Austausch von Neuigkeiten durch Briefe fort. Internatsschüler hatten die Aufgabe, einmal pro Woche einen Brief an die Eltern zu schreiben. Waren Ehepartner zeitweilig getrennt, tauschten sie alle zwei oder drei Tage Informationen aus. Man blieb mit der ganzen Verwandtschaft, auch über weite Entfernungen hinweg, per Briefwechsel in Kontakt. Je näher die Personen sich standen, um so intensiver war der Briefwechsel. Alle Neuigkeiten, wie beispielsweise Geburten, Hochzeiten, Krankheiten oder Todesfälle, bildeten Anlässe, die Verwandten oder auch engen Bekannten zu informieren. Briefe waren kein Mittel, sich spontan mitzuteilen, sondern ein Mittelding zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten, dem Individuellen und dem Gesellschaftlichen. Familienkorrespondenzen waren für die Gruppe oder eine Untergruppe bestimmt. Sie wurden innerhalb der Familie weitergegeben. Das Themenspektrum war deshalb begrenzt. Intime Details waren ausgeschlossen. Briefe schrieben nur Leute, die lesen und schreiben konnten und eine leichte Hand beim Formulieren hatten. Eine adlige oder bürgerliche Frau verwendete mehrere Stunden täglich auf ihre Korrespondenz. Außerdem gab es noch Werke, die auf bildliche Art und Weise an das Publikum gelangen. Dies geschah beispielsweise durch Illustrationen. Die Illustrationen waren zumeist auf Umschlägen von Büchern vorzufinden. Literatur für diese und die dazugehörigen Seiten: Ariès, Philippe/Duby, Georges (Hrsg.), Geschichte des privaten Lebens, 4. Band: Von der Revolution zum Großen Krieg, Augsburg 2000 Baasner, Rainer/Reichardt, Georg, Epochen der deutschen Literatur: Romantik, Stuttgart 2000 (CD-Rom) Lindenhahn, Reicnhard, Aufklärung. Arbeitsheft zur Literaturgeschichte, Berlin 1995 www.xlibris.de/Epochen/Romantik http://www.xlibris.de/Epochen/Romantik/Ramnt1.htm http://www.bhak-bludenz.ac.at/literatur/romantik/index.html Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001plus STW: Romantik (Literatur) http://www.orst.edu/instruct/ger341/romantik.htm http://www.interractec.de/ddragon/kunst/kromat08.php http://www.zum.de/Faecher/D/Saar/gym/romantik.htm
Verfasser: Antje Düllmann, Daniel Köhne, Amrei Tschuschke, Dominik König
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