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Anton
Philipp Reclam wurde am 28.6.1807 in Leipzig geboren, wo er auch am
5.1.1896 starb. Im Jahre 1828 kaufte er das "Literarische
Museum" in Leipzig und gründete dort im gleichen Jahre seinen
Verlag. Seit 1839 betrieb er auch eine eigene Druckerei.
Die
Gründung von "Reclams-Universal-Bibliothek", die er zusammen
mit seinem Sohn konzipiert hatte, erfolgte 1867. Er warb damit, die Werke
Goethes und Lessings in korrektem Druck, texttreu und in guter Ausstattung
zu einem geringen Preis anzubieten. Aufgrund dieser Tatsachen nannten ihn
seine Konkurrenten "Groschenreclam". Er warb auch damit, keine
Gesamtausgaben zu verkaufen, sondern es dem Interessenten zu ermöglichen,
sich eine individuelle "Bibliothek" aus Einzelwerken selbst frei
zusammen stellen zu können.
Neben
"Classischem" bot Reclam auch Stücke modischer
zeitgenössischer Literatur, auch aus dem Bereich der Unterhaltung, in der
Universal-Bibliothek an. Er wollte auf diesem Wege eher mittellose Teile
der Bevölkerung für den Kauf von Büchern gewinnen, ihre Schwellenangst
überwinden und sie zugleich an die Werke der deutschen Klassik und der
Weltliteratur heranführen.
Seiner
weltanschaulichen Zuordnung nach zählt Philipp Reclam zu den
jungdeutschen Liberalen, die ihren zupackenden Patriotismus mit einer (aus
damaliger Sicht radikalen) demokratischen Grundüberzeugung verbanden.
Daraus erklärt sich sein Konzept, mit preiswerten und anspruchsvollen
Büchern nicht nur neue Käuferschichten als Buchproduzent zu
erschließen, sondern auch einen Beitrag zur Volksbildung leisten zu
wollen. Zu sehen ist dies daran, dass noch heute wie im Gründungsjahr
1867 das Programm der RUB mit Goethes "Faust" (Bd. 1 und 2) und
Lessings "Nathan der Weise" (Bd. 3) eröffnet wird (s.u.).
Ende
1869 stockte Reclam sein zunächst auf 35 Bändchen geplantes Programm auf
120 Titel auf. Hierbei erweiterte er nicht nur die Auswahl der Autoren, er
ließ auch ein durchdachtes Werbekonzept erarbeiten und vereinfachte das
Auslieferungsverfahren, den Weg vom Verlag zum Buchhändler. Am Prinzip,
jeden Titel einzeln zu veröffentlichen, hielt er jedoch strikt fest.
Nach
dem Tode Philipp Reclams gelang es seinem Sohn Heinrich, die Idee der
einfachen Vermarktung eines einfach hergestellten Markenprodukts
erfolgreich beizubehalten und weiter zu entwickeln: 1911 ließ er z.B.
einen raumsparenden Schrank entwerfen, den er den Buchhändlern zur
Verfügung stellte, um diesen eine unkomplizierte, das komplette Angebot
bereit haltende Lagerhaltung schmackhaft zu machen (s.u.). An Bahnhöfen
wurden Automaten aufgestellt, aus denen Reclamheftchen "gezogen"
werden konnten, die dort standortbezogen (Reiselektüre) angeboten wurden.
Der Verleger selbst nannte dies ein "selbständiges Filialgeschäft
ohne große Anlagekapitalien und hohe Personalkosten."
Quellen:
Der
Brockhaus multimedial 2001, Bibliografisches Institut & F.A.
Brockhaus, 2001
150
Jahre Reclam. Daten, Bilder und Dokumente zur Verlagsgeschichte 1828-1978,
zusammengestellt von Dietrich Bode, Stuttgart o.J. (Reclam) |