Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Novalis (Friedrich von Hardenberg) (1772–1801)

  • Novalis wird 1772 in Oberwiederstedt (Harz) geboren.
  • 1790 studiert er Recht und Philosophie an der Universität in Jena
  • 1791 wechselt Novalis im Herbst an die Universität Leipzig, wo er Freundschaft mit Friedrich Schlegel schließt. Aus ihrer Geistesverwandtschaft gehen die wichtigsten Positionen der Frühromantik hervor
  • 1801 stirbt Novalis am 25. März in Weißenfels an Schwindsucht.

aus: Heizmann, Bertold Literaturepochen: Romantik, München 1986 (bsv), S. 24

Bei wenigen Schriftstellern stehen Denken und Dichten auf so gleich hohem Niveau wie bei Friedrich von Hardenberg, der sich als Dichter „Novalis" nannte und neue „literarische Sämereien" auf dem „Brachfeld" (lat. novalis) seiner von ihm als unfruchtbar empfundenen Zeit aussäte. Mit seiner vielseitigen intellektuellen Begabung und umfangreichen Ausbildung verkörpert Novalis die auf Universalität zielende Frühromantik. Jung gestorben, bleibt Novalis als reinster Frühromantiker in Erinnerung, dem im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen keine Zeit für mögliche Wandlungen und Konversionen blieb.

Der Dichter Novalis. tritt in vielerlei Gestalt in Erscheinung: als philosophischer Aphoristiker und Märchenerzähler („Die Lehrlinge zu Sais", 1798), als religiös-mystischer Schwärmer, dem sich in den „Hymnen an die Nacht" (1800) Geist und Sinnlichkeit untrennbar mischen, als Verfasser vollendeter geistlicher Lieder. Zur großen Zahl fragmentarischer Aufzeichnungen tritt der unvollendete Roman „Heinrich von Ofterdingen", dessen Schlüsselsymbol der „blauen Blume" untrennbar mit em Bild von deutscher Romantik verbunden ist.

Seine wichtigsten Werke:

Der Lehrling zu Sais(1798)

Hymnen an die Nacht(1800)

Die Christenheit oder Europa (1802)

Heinrich von Ofterdingen (nicht vollendet)

 

Die Christenheit oder Europa (1799) 
   
Ein Fragment, (Geschrieben im Jahre 1799.)
Es waren schöne glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war, wo Eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Weltteil bewohnte; Ein großes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs. – Ohne große weltliche Besitztümer lenkte und vereinigte Ein Oberhaupt, die großen politischen Kräfte. – Eine zahlreiche Zunft zu der jedermann den Zutritt hatte, stand unmittelbar unter demselben und vollführte seine Winke und strebte mit Eifer seine wohltätige Macht zu befestigen. Jedes Glied dieser Gesellschaft wurde allenthalben geehrt, und wenn die gemeinen Leute Trost oder Hülfe, Schutz oder Rat bei ihm suchten, und gerne dafür seine mannigfaltigen Bedürfnisse reichlich versorgten, so fand es auch bei den Mächtigeren Schutz, Ansehn und Gehör, und alle pflegten diese auserwählten, mit wunderbaren Kräften ausgerüsteten Männer, wie Kinder des Himmels, deren Gegenwart und Zuneigung mannigfachen Segen verbreitete. Kindliches Zutrauen knüpfte die Menschen an ihre Verkündigungen. – Wie heiter konnte jedermann sein irdisches Tagewerk vollbringen, da ihm durch diese heilige Menschen eine sichere Zukunft bereitet, und jeder Fehltritt durch sie vergeben, jede mißfarbige Stelle des Lebens durch sie ausgelöscht, und geklärt wurde. Sie waren die erfahrnen Steuerleute auf dem großen unbekannten Meere, in deren Obhut man alle Stürme geringschätzen, und zuversichtlich auf eine sichre Gelangung und Landung an der Küste der eigentlichen vaterländischen Welt rechnen durfte.

 

 

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