Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Damenmode 1825-1850

Ab ungefähr 1825 beginnt in der Damenmode parallel zur Restauration in der Politik ein neues „Zeitalter der Weiblichkeit". Genährt wurde dies durch die im Gegensatz zur Revolutions- und Kaiserzeit, die eine Zeit größerer Freiheit und geringerer Restriktionen für Frauen gewesen war, stehende Überzeugung, es sei die Aufgabe der Frauen, in erster Linie im Hause zu wirken. Aufgabe der Frau sei es, im häuslichen Wirkungskreis moralische Reinheit zu praktizieren und dadurch einen beruhigenden Einfluss auf die in der Welt tätigen Männer auszuüben. Demgegenüber wurde die Aufgabe der Männer darin gesehen, die Frauen vor den Unbilden der sich durch die beginnende Industrialisierung wandelnden Welt zu schützen und sie von deren Einflüssen fernzuhalten. Die strenge Scheidung von Drinnen und Draußen und die Rituale des bürgerlichen Lebens verlangten eine züchtige, sanfte, bescheidene und - in den oberen Gesellschaftsschichten - müßige Frau. Dieses Gesamtbild zeigt sich in der Mode als Rückkehr zu alten höfischen Vorbildern, die allerdings durch die Verwendung solider Stoffe deutlich verbürgerlicht werden.

Mode im Umbruch vom Empire zur Sanduhr-Silhouette

Bild unbekannter Herkunft

Insbesondere die Frauen der oberen Schichten hatten durch ihre äußere Erscheinung zu zeigen, daß sie nicht der arbeitenden Klasse angehörten; vielmehr wird in diesen Schichten die Frau jetzt Statussymbol und Aushängeschild des wirtschaftlich erfolgreichen Mannes: Die Frau hat zu demonstrieren, dass der Mann verdient. Dementsprechend drücken sich in der real getragen Kleidung zunehmend die gesellschaftlichen Unterschiede aus: Während die wenigen reichen Damen jeden Modewechsel mitzumachen versuchten - häufig auf Betreiben ihrer Ehemänner -, bemühten sich die Mittelschichtfrauen, wenigstens im Trend zu liegen. Es war durchaus üblich, Kleider mehrere Male, manchmal bis zu sechs Mal, umzuarbeiten, um sie im Trend zu halten. War eine Änderung nicht mehr möglich, so wurde die abgelegte Kleidung zu Kinderkleidung umgearbeitet.

Das neue Frauenbild und die damit einhergehende Prüderie fand Ausdruck in der Wiederkehr der Schnürung und des Korsetts, das als Zeichen moralischen und seriösen Lebens gesehen wurde. Um gleichzeitig die Weiblichkeit zu betonen, verwendete man Bänder und Bogungen sehr exzessiv.

aus: http://main.1ie.com/azra-hist/wardrobe/c6_118.htm

Die neue Silhouette war die der Sanduhr: die ausladende Breite von Ärmeln und Rock bildete das Gegengewicht zu der durch das Korsett eingeschnürten Taille. Die Kleider wurden aus für den Abend aus Seide, für den Tag aus Wolle oder Baumwolle gefertigt; ab den 40er Jahren wurden auch Samt, Brokat und Changeant-Stoffe bevorzugt. Die Kleider waren meist einteilig; erst im Laufe der 30er Jahre tauchte als modischer Import aus England auch die Bluse auf. Einfache Hauskleider oder Arbeitskleider konnten meist im Oberteil bis zur Taille aufgeknöpft werden, was das Stillen der Kinder erleichterte. 

aus: http://members.tripod.com/~kittymomca/fashion.html

 

Kleider mit Gigot-Ärmeln

aus: www.victoriana.com/lady/palmer.html

Gewöhnlich hatten die Kleider lange Ärmel mit Puffen, die direkt an der Schulter begannen, oder Ärmel mit mehrfachen Puffen. Beliebt waren die Gigot-Ärmel, die den Puff direkt oberhalb bzw. unterhalb des Ellenbogens hatten. Außer bei den Abendkleidern waren die Ausschnitte nicht sehr weit. Die Tageskleider, die vorwiegend wegen der Schwierigkeiten der Reinigung in dunklen Farben gehalten waren, hatten häufig abnehmbare Kragen oder sog. Pelerinen, Minicapes, die über die Schultern gelegt wurden und entweder aus einem zum Muster des Kleides passenden Stoff oder aus reich besticktem reinweißen Leinen oder reinweißer Baumwolle bestanden. Am Abend wurde im weiteren Ausschnitt ein Spitzentuch oder ein Seidentuch mit einer schmalen Stickereikante (sog. Berthe) getragen. 

Kleid mit Puffärmeln und bretiem Kragen, ca. 1839

aus: www.victoriana.com/lady/palmer.html

Dame im dekolletiertem Kleid mit Berthe

Journal des Dames et des Modes, 1833

aus: Thiel, a.a.O., S. 318

Neben dem Hut, der weiter die einzige Erinnerung an die potentielle öffentliche Rolle der Frau blieb, trug man Schuten, eine Mischung aus Haube und Hut, als Kopfbedeckung. Die Schuten waren anfangs sehr hoch und hatten eine breite Krempe; unter dem Kinn wurden sie mit einem Band gebunden. In späteren Jahren wurden die Schuten flacher. Teilweise trugen die Frauen über den Schuten noch Hüte.

Die immer weiter werdenden Röcke dieser Mode erforderten die Rückkehr zu zahlreichen Unterkleidern. Gewöhnlich trug man über einem Leinen- oder Baumwollhemd ein Korsett aus Fischbeinstäbchen, um die gewünschte Wespentaillenfigur zu erzielen. Darüber wurden immer mindestens drei gestärkte Unterröcke getragen, die gelegentlich durch Roßhaareinlagen versteift wurden, um dem weiten Kleiderrock noch mehr Breite und Stand zu geben. Seit ca.1830 trugen die Frauen Unterhosen, die meist bis zum Knie reichten. Es war unschicklich, Unterhosen beim Namen zu nennen. Die Prüderie der Zeit führte zu der Bezeichnung die „Unaussprechlichen".

Die städtischen Frauen trugen meist schwarze Lederschuhe oder Stiefeletten. Die aus der Empirezeit stammenden flachen Kreuzbandschuhe (Vorläufer der heutigen Ballettschuhe) wurden nur noch am Abend getragen und waren in der Regel aus Stoff. Über Jahrzehnte hielt sich das lange Cape als Mantelersatz. Wichtige Requisiten, ohne die die feine Dame nicht auskommen konnte, waren Handschuhe, Schirm, Fächer und Taschentuch.

Adolph von Menzel, Frau Clara Schmidt von Knobelsdorff, 1848

aus: Krause/Lenning, a.a.O., S. 168

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© Stufe 12 LK´s Biologie (Herr Hartfiel/Frau Ranft), Deutsch (Frau Ammermann), Englisch (Herr Sommer), Geschichte (Frau Dr. Hoffmann), Schuljahr 2000/2001;  Erstellung der Webseiten: Dorothee Ammermann