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Motiv der Sehnsucht nach
Gemeinschaft und Geselligkeit
- es bilden sich persönliche
Freundschaften, gemeinschaftliche Treffen und Unternehmungen, spezielle Salons,
Soireen, Nachmittagskränzchen, Diskussionen, „ästhetischer Tee",
Vorleseabende, Tisch-, Abend- oder Reisegesellschaften
- sie dienen der Verbreitung von
Literatur, Diskussionen über die verschiedenen Werke gerade auch mit den
Autoren, Poesie muss unterhaltend sein, dient für gesellige Anlässe, sollte
Anstoß zu Diskussionen geben, anstatt eine feste Meinung vorzugeben. Jeder
Zuhörer darf eine eigene Meinung zu dem Werk haben, jedoch sollte jede
Diskussion zu einer Art Kompromiss als Ergebnis führen
- durch die Gruppengespräche und Kritik
wird das Werk erst zur Geltung gebracht
- bürgerliche Literaten, Philosophen
und Künstler ergänzen diesen Gemeinschaftskreis ( z.B. Achim von Arnim,
Heinrich von Kleist)
- Ziele dieser Gesellschaften sind der
Wandel von der privaten zur öffentlichen Geselligkeit
- da politische Versammlungen verboten
worden waren, waren diese privaten Versammlungen von Vorteil, da sie die
Möglichkeit boten, sich auszutauschen und gegenseitig zu stärken
- ein öffentliches Publikumsorgan
schaffen sich manche dieser Gesellschaften, z.B. vorübergehend in den „Berliner
Abendblättern", wodurch sie ihren Ansichten zur Zukunft des preußischen
Staates, zur Sicherung der preußischen Reformen, zur legitimen Herrschaft sowie
zum militärisch-politischen Wiedererstarken Ausdruck verleihen können
- Prototyp des Alltags ist zunächst der
Kaufmann, dem gegenüber stehen die sogenannten Philister (Spießbürger).
In der Romantik werden sie zumeist negativ
gesehen, im Gegensatz zum Biedermeier, wo die Behaglichkeit der allgemeinen
Bedürfnisse und dem Lebensraum zum Ideal erklärt wurde.
- die „spießbürgerlichen"
Lebensgewohnheiten wurden nach Brentanos Philister-Satire und Eichendorffs
Lustspiel „Krieg den Philistern" (1824) stets ironisch-freundlich oder
humorvoll betrachtet
- Gemeinschaft/Geselligkeit vollzieht
sich häufig in einer malerischen Landschaft, der Natur (vgl. Joseph von
Eichendorff „Sehnsucht")
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Gemeinschaft und Geselligkeit wurde
als Motiv in zahlreichen Gedichten verwendet. Ein Beispiel hierfür ist das „Wanderlied
der Prager Studenten" von Joseph Eichendorff. Hier geht es um das
Zusammensein der Studenten, Geselligkeit bedeutet etwas gemeinsam mit anderen in
angenehmer Atmosphäre zu unternehmen. Das Wandern als gemeinsame Beschäftigung
und das Lied verbindet die Studenten, Geselligkeit bedeutet Zusammenhalt, egal
in welcher Situation („Morgenstrahl", „nacht durchs Städtlein",
„wir streichen durch die Felder von Schnee und Regen nass").
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Textbeispiel:
Joseph
von Eichendorff, Wanderlied der Prager Studenten
Nach Süden nun sich lenken
Die Vöglein allzumal,
Viel Wandrer lustig schwenken
Die Hüt im Morgenstrahl.
Das sind die Herrn Studenten,
Zum Tor hinaus es geht,
Auf ihren Instrumenten
Sie blasen zum Valet:
Ade in die Läng und Breite
O Prag, wir ziehn in die Weite:
Et habeat bonam pacem,
Qui sedet post fornacem!
Nachts wir durchs Städtlein
schweifen,
Die Fenster schimmern weit,
Am Fenster drehn und schleifen
Viel schön geputzte Leut.
Wir blasen vor den Türen
Und haben Durst genug,
Das kommt vom Musizieren,
Herr Wirt, einen frischen Trunk!
Und siehe über ein kleines
Mit einer Kanne Weines
Venit ex sua domo -
Beatus ille homo!
Nun weht schon durch die Wälder
Der kalte Boreas,
Wir streichen durch die Felder,
Von Schnee und Regen naß,
Der Mantel fliegt im Winde,
Zerrissen sind die Schuh,
Da blasen wir geschwinde
Und singen noch dazu:
Beatus ille homo
Qui sedet in sua domo
Et sedet post fornacem
Et habet bonam pacem! |
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Textbeispiel:
Wilhelm
Müller, Brüderschaft
Im
Krug zum grünen Kranze
Da
kehrt´ ich durstig ein:
Da
saß ein Wandrer drinnen
Am
Tisch bei kühlem Wein.
Ein
Glas war eingegossen,
Das
wurde nimmer leer;
Sein
Haupt ruht´ auf dem Bündel,
Als
wär´s ihm viel zu schwer.
Ich
tät mich zu ihm setzen,
Ich
sah ihm ins Gesicht,
Das
schien mir gar befreundet,
Und
dennoch kannt´ ich´s nicht.
Da
sah auch mir ins Auge
Der
fremde Wandersmann,
Und
füllte meinen Becher,
Und
sah mich wieder an.
Hei,
was die Becher klangen,
Wie
brannte Hand in Hand:
"Es
lebe die Liebste deine,
Herzbruder,
im Vaterland!"
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- Gemeinschaft/Geselligkeit dient auch
zum Aufbau eines Wir-Gefühls, das zu Nationalbewusstsein führen soll
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Zur Geschichte der Salons:
Kennzeichnend für die Salonkultur
ist, daß immer eine Frau Initiatorin ist. Dies hat einen gesellschaftlichen
Hintergrund. Im französischen Adel des 17. und 18. Jahrhunderts sind die Aufgaben dem Mann bei Hofe
zugewiesen (Jagd, Krieg). Die adlige Frau kann hingegen ihre freie Zeit
verwenden, um sich geistreich zu unterhalten und entsprechend gebildete
Personen zu empfangen. Der französische Salon des 18. Jahrhunderts ist eine
zum Gedankenaustausch zusammengekommene Gesellschaft unter der „Leitung"
einer Frau. Er ist stark philosophisch-politisch geprägt. Salonkultur wird
in Deutschland erst mit dem Zeitalter der Romantik heimisch (Ende des 18.
Jahrhunderts) und vertritt auch deren Position. Die ersten bekannten Salons
entstehen in Berlin.
Somit vollzieht sich die
Ausrichtung hier auf das künstlerische, literarische Gebiet und nur wenig
auf das politische.
Ein Salon konnte nur von reichen,
adeligen Damen eröffnet werden und auch nur dann, wenn der Mann zustimmte
und die Frau finanziell unterstützte und ihr die Räumlichkeiten zur
Verfügung stellte. Meist tat dies der Mann, da ihm das Schaffen seiner Frau
zu mehr Ansehen verhalf.
Die wichtigste Voraussetzung war,
daß die Dame eine umfassende Bildung besaß.
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Lesezirkel der
Herzogin Anna Amalia in Weimar
aus:
Beutin, Wolfgang u.a. Deutsche Literaturgeschichte, 2. überarbeitete
und erw. Aufl., Stuttgart 1984, S. 155
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| Bedeutende Salons waren der
Berliner Salon, der Salon der Henriette Herz (in ihm waren auch Männer
vertreten) und der Salon der Rahel Levin (Rahel Varnhagen van Ense). Letzterer war ein ganz
besonderer: In ihm waren sowohl Vertreter des Hochadels, wie Prinz Louis
Ferdinand von Preußen, als auch Pauline Wiesel als einfache Schauspielerin
und viele weitere interessante und gebildete Persönlichkeiten vertreten. In ihm
entwickelte sich eine nahezu beispiellose Kreativität und Rahel Levins
Salon erreichte dadurch
seine Bedeutsamkeit.
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Rahel Levin (verh.
Varnhagen van Ense
aus:
Schreyer, Reinhard und Ursula, Romantik, Berlin 1997, (Cornelsen), S.
50
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Diese Form der Geselligkeit ist
selbst schon eine Kunst. Das Arrangement von Menschen verschiedenen Standes,
verschiedener Religion, verschiedenen Charakters besitzt wohl eine gewisse
Einmaligkeit. Eines allerdings verband diese Menschen über alle Grenzen die oben erwähnte Kreativität. Fast
alle betätigten sich irgendwie
literarisch produktiv: entweder im Briefe-Schreiben, im Romane-Schreiben
oder im
Journalismus. Die Verbindung des Salons selbst war das Gespräch. Wer die
Fähigkeit des Gesprächs nicht beherrschte, konnte am Salon keinen Gefallen
finden. Das Gespräch selbst ist die Kunst des Salons, die Kunst der
Geselligkeit.
Zur Festigung der Bekanntschaften und
Freundschaften bildete sich eine Briefkultur heraus. In oft sehr langen Briefen
beschrieben die Sender der Briefe ihre Erlebnisse sowie auch Gefühle und
Sehnsüchte. Besonders die Sehnsucht nach der Nähe zur eigenen Familie und sehr
guten Freunden kommt häufig zum Ausdruck. Ebenso wurden auch Bewertungen zu
literarischen Werken weitergegeben.
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Textbeispiel: Jean
Paul: Goethe liest ein Gedicht vor ... An Christian Otto
[Weimar,] d. 18 Jun. Sonnabends. [1796]
Schon am zweiten Tage warf ich hier mein
dummes Vorurteil für große Autores ab als wären´s andere Leute; hier weiß
jeder, daß sie wie die Erde sind, die von weitem im Himmel als ein leuchtender
Mond dahinzieht und die, wenn man die Ferse auf ihr hat, aus boue de Paris
besteht und einigem Grün ohne Juwelennimbus. Ein Urteil, das ein Herder,
Wieland, Göthe etc. fällt, wird so bestritten wie jedes andere, das noch
abgerechnet daß die 3 Turmspitzen unserer Literatur einander — meiden. Kurz
ich bin nicht mehr dumm. Auch werd´ ich mich jetzt vor keinem großen Mann mehr
ängstlich bücken, bloß vor dem tugendhaftesten. Gleichwohl kam ich mit Scheu
zu Göthe. Die Ostheim und jeder malte ihn ganz kalt für alle Menschen und
Sachen auf der Erde — Ostheim sagte, er bewundert nichts mehr, nicht einmal
sich — jedes Wort sei Eis, zumal gegen Fremde, die er selten vorlasse — er
habe etwas steifes reichstädtisch Stolzes — bloß Kunstsachen wärmen noch
seine Herznerven an (daher ich Knebel bat, mich vorher durch einen
Mineralbrunnen zu petrifizieren und inkrustieren damit ich mich ihm etwan im
vorteilhaften Lichte einer Statue zeigen könnte — Ostheim rät mir überall Kälte
und Selbstbewußtsein an). Ich ging, ohne Wärme, aus bloßer Neugierde. Sein
Haus (Palast) frappiert, es ist das einzige in Weimar in italienischem
Geschmack, mit solchen Treppen, ein Pantheon voll Bilder und Statuen, eine Kühle
der Angst presset die Brust —endlich tritt der Gott her, kalt, einsilbig, ohne
Akzent. Sagt Knebel z.B., die Franzosen ziehen in Rom ein. «Hm!» sagt der
Gott. Seine Gestalt ist markig und feurig, sein Auge ein Licht (aber ohne eine
angenehme Farbe). Aber endlich schürete ihn, nicht bloß der Champagner sondern
die Gespräche über die Kunst, Publikum etc. sofort an, und — man war
bei Göthe. Er spricht nicht so blühend und strömend wie Herder, aber
scharf-bestimmt und ruhig. Zuletzt las er uns — d.h. spielte er uns* — ein
ungedrucktes herrliches Gedicht vor, wodurch sein Herz durch die Eiskruste die
Flammen trieb, so daß er dem enthusiastischen Jean Paul (mein Gesicht war es,
aber meine Zunge nicht, wie ich denn nur von weitem auf einzelne Werke
anspielte, mehr der Unterredung und des Beleges wegen,) die Hand drückte. Beim
Abschied tat er´s wieder und hieß mich wiederkommen. Er hält seine
dichterische Laufbahn für beschlossen. Beim Himmel wir wollen uns doch lieben.
Ostheim sagt, er gibt nie ein Zeichen der Liebe. 1 000 000 Sachen hab´ ich Dir
von ihm zu sagen
Auch frisset er entsetzlich. Er ist mit dem feinsten
Geschmack gekleidet. — —
aus: http://literatur-live.de/salon/brief18.htm
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