Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Geschichte:
1765-1819
1820-1847
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Statistischer Anhang: Bevölkerung
Statistischer Anhang: Wirtschaftsdaten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

         

Die Blaue Blume

Informationen zu "Heinrich von Ofterdingen"

Inhaltsangabe "Heinrich von Ofterdingen"

Auszüge aus "Heinrich von Ofterdingen"

Die Blaue Blume verkörpert wie kein anderes Motiv die Suche der Romantiker nach einem Zentrum, nach einer inneren Einheit, nach Unendlichkeit. Dieses Sinnbild der Epoche stammt aus Novalis' Romanfragment "Heinrich von Ofterdingen", einem Künstlerroman, der in der Tradition der großen Bildungsromane, vor allem in Auseinandersetzung mit Wilhelm Meister, entstanden ist. Der Roman thematisiert den (poetischen) Weg des Menschen "nach innen", damit aber gleichzeitig in die Unendlichkeit.

Die Blaue Blume gilt als das Hauptsymbol der Romantik. Sie repräsentiert etwas, was schwierig zu erreichen ist; eine Sehnsucht, die man nicht aussprechen kann. Die Blaue Blume ist ein Sinnbild für etwas, was man nicht ganz rational verstehen kann. Um seine Sehnsucht jedoch zu stillen, ist es nötig, dieses Unerreichbare zu erreichen.

Man kann das Symbol der Blauen Blume auf verschiedene Art und Weise deuten:

  • In dem 1802 von Novalis veröffentlichten Roman "Heinrich von Ofterdingen" repräsentiert sie die Liebe. Hier träumt der Held von einer blauen Blume, die ihn mit einer unbekannten Sehnsucht erfüllt. Sie liegt in der Mitte von anderen Blumen und ist die einzige, die licht blau ist. In dieser Blume schwebt ein zartes Gesicht - dieses Gesicht ist die Liebe. Wer die Blume findet, findet auch die Liebe. Die Blume steht hier also für eine/n noch unbekannte/n Geliebten.

  • Die Blume und das Wasser besitzen dieselbe Farbe; Blau ist die Farbe von grenzenlosen Dingen - die Farbe des Wassers und die Farbe des Himmels. Insbesondere im Bereich der Landschaftsmalerei ist diese Grenzenlosigkeit zu finden. Himmel und Erde (bzw. das Wasser auf der Erde) kommen zusammen, bis sie eins werden - wir wissen nicht, wo das eine beginnt und das andere endet. Zudem reflektieren die beiden einander, so dass man das eine in dem anderen sehen kann.

  • Blau ist die Farbe von entfernten Bergen, die von der Luft gefärbt werden. So sind die blauen Berge (wie die Blaue Blume) ein Symbol für die Sehnsucht.

Klingsors Zaubergarten

Gemälde von Angerer dem Älteren

aus: www.onlinekunst.de/moi102.05.blaue_blume.html

"Das Gemälde "Klingsors Zaubergarten"; gemalt in altmeisterlicher Technik von Angerer dem Älteren, beschwört die blaue Blume der Romantik in einzigartiger Weise. Der Dichter Novalis - mit bürgerlichem Namen Friedrich von Hardenberg, Geologe von Beruf und Sohn des Direktors der Saline in Artern - arbeitete 1799 für das Gradierwerk. Er begann in Artern mit der Niederschrift seines Romans "Heinrich von Ofterdingen ", in dem die "blaue Blume" der Romantik erstmals als Bild und Begriff auftaucht. Aber auch bei Tieck erscheint bereits 1798 die blaue Blume als Sinnbild tiefer Sehnsucht.

Diese blaue Blume leuchtet aus dem Gemälde wie eine mit geheimnisvollem Licht ausgestattete Laterne. Gleichzeitig erinnern die kugeligen Gebilde, die in sechsfacher Ausführung den oberen Teil des Bildes durchschweben, an die Erde, den blauen Planeten. Obwohl die Szene im Freien angesiedelt ist, glaubt man, sich in einer gotischen Kathedrale zu befinden, durch die wie ein Fluß das Wasser des Lebens fließt. Vorn im Bild- und deutlich hervorgehoben durch die rote Farbe, sitzt ein Schmetterling, zum Greifen nah erscheint er dem Betrachter. Der Horizont des Bildes- im Goldenen Schnitt angeordnet- ist erhellt durch strahlendes Licht, das unendliche Tiefe suggeriert.

Mit diesem Bild kann man sich verzaubern lassen, träumen, auf die Reise gehen, mit den Augen spazierengehen und die blaue Blume innerlich in Besitz nehmen."1

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Information zum Roman "Heinrich von Ofterdingen" von Novalis:

Der unvollendet gebliebene Roman "Heinrich von Ofterdingen" von Novalis, der 1802 veröffentlicht wurde, ist als Bildungsroman konzipiert wie Goethes Wilhelm Meister. Er spielt in einer fiktiven Welt und veranschaulicht in symbolischer Darstellung die innere Welt des Helden. Traumbilder zeigen ihm sein Ziel. Der zweite Teil sollte damit enden, dass Heinrich die 

aus: www.textgalerie.de/novalis/main.htm

Blaue Blume findet und das Goldene Zeitalter herbeiführt, in dem Raum und Zeit aufgehoben und alles Getrennte geeint ist. Die Blaue Blume wurde zum zentralen Symbol der Romantik. Im Blau des Horizonts drückt sich die Sehnsucht nach einer nie erreichten, unbegrenzten Ferne aus, die Blume ist ein Sinnbild für Schönheit und Harmonie.

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Inhaltsangabe "Heinrich von Ofterdingen":

Zu Beginn des vollendeten ersten Teils des Romans begegnet der Leser dem jungen Heinrich, dem die Erzählungen eines geheimnisvollen Fremden nachhaltig Eindruck gemacht haben. Die Phantasien einer schlaflosen Nacht wecken Heinrichs Sehnsucht nach Erkenntnis. Im Traum erscheint ihm als Ziel aller Ziele das Bild der blauen Blume, die ein Mädchengesicht umrahmt. Diese blaue Blume wird später als Symbol der romantischen Dichtung und als Inbegriff vollkommener Poesie verstanden. Mit Heinrichs Traum beginnt die Erweckung des zum Dichter Geborenen. Eine schon lange in Aussicht stehende Reise mit der Mutter zu Verwandten in Süddeutschland gibt den Rahmen ab für die folgenden unterschiedlichsten Erfahrungen und Bildungserlebnisse, die seinen Horizont weiten.

Heinrich von Ofterdingen erzählt die Geschichte der Selbstfindung des Titelhelden, eines jungen Dichters. Dessen Ziel ist nicht ein geregeltes bürgerliches Leben, sondern die umfassende Erkenntnis der Natur, der in ihr waltenden Kräfte, der Menschen in ihren Wünschen und Eigenheiten sowie der eigenen Seele. Heinrichs Lebensweg, der im Stil des Entwicklungsromans die Stationen des Lernens und Bewährens miteinander verbindet, führt hier ins Selbstbewusstsein, in die "Seele" der Hauptfigur. Die Darstellung von Universalität zielt auf einen Zusammenhang aller Dinge und Geister, der mit einer romantisierten Weltauffassung korrespondiert. Als Einziger und in einzigartiger Weise beschreibt N. die Korrespondenz zwischen Innen und Außen, die den Zustand einer durch und durch poetisierten Welt - nach der Theorie der Frühromantik - vermittelt.2

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Auszug aus: Novalis: "Heinrich von Ofterdingen"

Erster Teil: Die Erwartung

Erstes Kapitel

Die Eltern lagen schon und schliefen, die Wanduhr schlug ihren einförmigen Takt, vor den klappernden Fenstern sauste der Wind; abwechselnd wurde die Stube hell von dem Schimmer des Mondes. Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, .sagte er zu .sich selbst; ufern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anders dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen: es ist, als hätt ich vorhin geträumt, oder ich wäre in eine andere Welt hinübergeschlummert; denn in der Welt, in der ich .sonst lebte, wer hätte da sich um Blumen bekümmert, und gar von einer so seltsamen Leidenschaft für eine Blume hab ich damals nie gehört. [ ..J Es ist mir oft so entzückend wohl, und nur dann, wenn ich die Blume nicht recht gegenwärtig habe, befällt mich so ein tiefes, inniges Treiben: das kann und wird keiner verstehn. Ich glaubte, ich wäre wahnsinnig, wenn ich nicht so klar und hell sähe und dächte, mir ist seitdem alles viel bekannter.[...]

Berauscht von Entzücken und doch jedes Eindrucks bewußt, schwamm er gemach dem leuchtenden Strome nach, der aus dem Becken in den Felsen hineinfloß. Eine Art von süßem Schlummer befiel ihn, in welchem er unbeschreibliche Begebenheiten träumte, und woraus ihn eine andere Erleuchtung weckte. (...J Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstlichste Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. 

Angeregt und beunruhigt durch diesen Traum macht sich Heinrich auf in die Welt, um die Ursprünge der Sehnsucht zu suchen. Auf seiner Reise in die Ferne blickt er auf einer Anhöhe gleichzeitig zum Ziel zurück in seine Heimat:

Er sah sich an der Schwelle der Ferne, in die er oft vergebens von den nahen Bergen geschaut, und die er sich mit sonderbaren Farben ausgemalt hatte. Er war im Begriff, sich in ihre blaue Flut zu tauchen. Die Wunderblume stand vor ihm, und er sah nach Thüringen, welches er jetzt hinter sich ließ, mit der seltsamen Ahndung hinüber, als werde er nach langen Wanderungen von der Weltgegend her, nach welcher sie jetzt reisten, in sein Vaterland zurückkommen, und als reise er daher diesem eigentlich zu. 

Die blaue Blume ist daher Symbol des Aufbruchs zur Erfüllung von Sehnsüchten, aber auch Symbol des eigenen, persönlichen Glücks und Lebenssinns. Der gleichzeitige Blick nach vorne und zurück erlaubt dem Betrachter geistige Reflexionen über das Vergangene im Hinblick auf die Zukunft. In Augsburg begegnet er den Mädchen Mathilde und entdeckt beim Anblick ihres Gesichts einen Zusammenhang mit seinem Traum:

Ist mir nicht zumute wie in jenem Träume, beim Anblick der blauen Blume? Welcher sonderbare Zustand zwischen Mathilden und dieser Blume? Jenes Gesicht, das aus dem Kelche sich mir entgegenneigte, (...) Mathildens himmlisches Gesicht... 

1 www.onlinekunst.de/moi/02_05_blaue_blume.html

2 Baasner, Rainer/Reichard, Georg: Epochen der deutschen Literatur: Romantik, Stuttgart 2000 (CD-Rom)

Verfasser: Miriam Kreuziger, Sabine Susewind, Susanne Pflaumbaum, Bujare Quokovci

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© Stufe 12 LK´s Biologie (Herr Hartfiel/Frau Ranft), Deutsch (Frau Ammermann), Englisch (Herr Sommer), Geschichte (Frau Dr. Hoffmann), Schuljahr 2000/2001;  Erstellung der Webseiten: Dorothee Ammermann