Epochenumbruch 18./19. Jahrhundert: Romantik

Projekt des Gymnasiums der Stadt Meschede

Stufe 12

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Clemens (Wenzeslaus Maria) Brentano (1778–1842)

  • Brentano wird am 8. September 1778 in Ehrenbreitstein im Hause der Großmutter Sophie La Roche geboren
  • in Jena wird Brentano in den Kreis der Frühromantiker aufgenommen, bleibt jedoch ein Außenseiter. Seinen engsten freundschaftlichen Kontakt findet er zu Ludwig Tieck.
  • 1801:Mit dem neuerlichen Versuch eines Studiums, jetzt der Philosophie in Göttingen, widmet sich Brentano intensiver und regelmäßiger der Dichtung
  • 1803 heiratet er Sophie Mereau, die als Dichterin und Übersetzerin arbeitet.

aus: http://gutenberg.aol.de

  • 1806 stirbt Sophie Mereau bei der Geburt ihres dritten Kindes.
  • 1807 heiratet Brentano die 16-jährige Auguste Bußmann
  • 1817 legt Brentano – auch unter dem Einfluss der Pfarrerstochter Luise Hensel – eine Generalbeichte ab, besinnt sich auf sein katholisches Erbe und will seine weitere schriftstellerische Arbeit in den Dienst des Christentums stellen.
  • 1842 stirbt Brentano am 28. Juli im Hause seines Bruders Christian in Aschaffenburg.

Als Schriftsteller erringt Brentano früh Anerkennung mit „Godwi", der als mustergültiger Roman nach der frühromantischen Theorie gewürdigt wird. Das Lustspiel „Ponce de Leon" gilt heute noch als eine der gelungensten deutschen Komödien. Witz und Phantasie zeichnen auch seine Erzählungen und Märchen aus. Die größte Bedeutung im literarischen Schaffens Brentanos – und im Kanon romantischer Werke von Rang – kommt jedoch der Lyrik zu. Brentano ist ein virtuoser Lyriker, er schreibt viel und vielerlei: musikalisch-zarte Lied- Verse, Balladen, Klangspielereien, Parodien, derbe Invektiven – schließlich Religiöses. Im Wechsel der Töne besteht nicht zuletzt der Reiz der Brentano’schen Lyrik.

Einige seiner Werke:

Godwi (1801)

Ponce de Leon (1804)

Des Knaben Wunderhorn (1806- 1808)

Gockel, Hinkel und Gackeleia (1838)

Romanzen vom Rosenkranz (1852 –1855)

Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl

 

Textbeispiel:

Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne (1800)

 

Sprich aus der Ferne,

Heimliche Welt,

Die sich so gerne

Zu mir gesellt!

 

Wenn das Abendrot niedergesunken,

Keine freudige Farbe mehr spricht,

Und die Kränze still leuchtender Funken

Die Nacht um die schattige Stirne flicht:

 

Wehet der Sterne

Heiliger Sinn

Leis durch die Ferne

Bis zu mir hin.

 

Wenn des Mondes still lindernde Tränen

Lösen der Nächte verborgenes Weh,

Dann wehet Friede. In goldenen Kähnen

Schiffen die Geister im himmlischen See.

 

Glänzender Lieder

klingender Lauf

Ringelt sich nieder,

Wallet hinauf.

 

Wenn der Mitternacht heiliges Grauen

Bang durch die dunklen Wälder hinschleicht,

Und die Büsche gar wundersam schauen,

Alles sich finster tiefsinnig bezeugt:

 

Wandelt im Dunkeln

Freundliches Spiel,

Still Lichter funkeln

Schimmerndes Ziel.

 

Alles ist freundlich wohlwollend verbunden,

Bietet sich tröstend und trauernd die Hand,

Sind durch die Nächte die Lieder gewunden,

Alles ist ewig im Innern verwandt.

 

Sprich aus der Ferne,

Heimliche Welt,

Die sich so gerne

Zu mir gesellt!

 

Textbeispiel:

Clemens Brentano, Ich wollt ein Sträußlein binden

 

Ich wollt ein Sträußlein binden,

Da kam die dunkle Nacht,

Kein Blümlein war zu finden,

Sonst hätt ich´s dir gebracht.

 

Da flossen von den Wangen

Mir Tränen in den Klee,

Ein Blümlein aufgegangen

Ich nun im Garten seh.

 

Das wollte ich dir brechen

Wohl in dem dunklen Klee,

Doch fing es an zu sprechen:

"Ach tue mir nicht weh!

 

Sei freundlich in dem Herzen,

Betracht dein eigen Leid

Und lasse mich in Schmerzen

Nicht sterben vor der Zeit!"

 

Und hätt´s nicht so gesprochen,

Im Garten ganz allein,

So hätt ich dir´s gebrochen;

Nun aber darf´s nicht sein.

 

Mein Schatz ist ausgeblieben,

Ich bin so ganz allein.

Im Lieben wohnt Betrüben

Und kann nicht anders sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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