|
| |
Beurteilung des
Projekts aus Schüler- und Lehrersicht
Auswertung
aus Schülersicht Auswertung
aus Lehrersicht
Die
vorliegende Auswertung aus Schülersicht basiert auf den Beurteilungsbögen
nur eines der beteiligten Kurse und ist daher vorläufig.
Zur Zeiteinteilung - an drei
Tagen wurde von 7,30 - 12,40 Uhr und von 14,15 - 17,00 Uhr, am vierten Tag von
7,30 - 12,40 Uhr gearbeitet - bemerken die Schüler übereinstimmend:
- Die Arbeit am Nachmittag wird als
problematisch betrachtet. Die Konzentrationsfähigkeit und die Motivation
lasse nach, so dass am Nachmittag nur noch einfache und eher technische
Aufgaben bewältigt werden konnten.
- Die Mittagspause sei zwar richtig
kalkuliert gewesen; dennoch ergaben sich für auswärtige Schüler Probleme,
in der verfügbaren Mittagspause den Wohnort zu erreichen und pünktlich in
der Schule wieder anwesend zu sein. Dies betrifft vor allem die in der
ländlichen Region auf den ÖPNV angewiesenen Schüler.
- Einige Schüler stellen fest, dass
sie aufgrund der Nachmittagsarbeit in der Schule ihre sonstigen
Verpflichtungen (Sportvereine etc.) nicht wahrnehmen konnten und damit ihre
zur Disposition stehende Zeit umorganisieren mussten. Dies wurde als
Eingriff in das private Leben empfunden.
Zur Organisation im Jigsaw-Puzzle:
- Die Jigsaw-Methode wird von den
Schülern als Methode innerhalb des Kurses positiv beurteilt. Sie habe
ermöglicht, ein sehr umfangreiches Themenspektrum zu bearbeiten und die
Ergebnisse auszutauschen.
- An den kursübergreifenden
Jigsaw-Puzzles wird Kritik geübt, die sich vor allem auf die Kombination der
Fächer bezieht. So stellen die Schüler des LK Deutsch fest, dass sie zwar
von den Ergebnissen der LK´s Englisch und Geschichte profitieren und diese
in ihre eigene Arbeit einbeziehen konnten; die Ergebnisse des Faches
Biologie hätten jedoch nichts für die eigene Arbeit erbracht. Eine
Arbeitsgruppe führt aus, dass diese Ergebnisse so wissenschaftlich
dargestellt worden seien, dass man den Ausführungen als Nicht-Biologe nicht
habe folgen können.
- Die Zahl der Gruppenmitglieder sei
bei den kursübergreifenden Expertengruppen zu hoch gewesen, und teilweise
seien die Expertengruppen nicht zu einer Diskussion über die Ergebnisse
gekommen.
Zur Teamarbeit in den im Kurs
und teilweise in sich arbeitsteilig arbeitenden Gruppen:
- Die meisten Schüler sind der
Meinung, die erforderlichen Planungsarbeiten - sowohl von der inhaltlichen
wie auch der zeitlich-organisatorischen Seite her - in den Gruppen
angemessen bewältigt zu haben.
- Die meisten Schüler attestieren
sich gegenseitig, die auf sie entfallenden Aufgaben in den Teams
vereinbarungsgemäß erledigt zu haben.
- Positiv wird bewertet, dass die
Schüler sich in den Teams die Aufgaben selbst aussuchen konnten, die in dem
Bereich mit eigenen Stärken oder Interessen liegen.
- Innerhalb der Teams sind die
Aufgaben teilweise auch in Einzelarbeit erledigt worden; einige Schüler
gaben an, nicht gerne in Gruppen oder im Team zu arbeiten, weil sie alleine
schneller und effektiver arbeiten und lernen könnten.
- Die Tatsache, dass den Schülern
während der Projekttage in ausreichendem Maße PCs mit Internetanschluss
zur Verfügung standen, wird als förderlich für den Erfolg der Arbeit
gesehen.
- Die Schüler, die nicht über viel
Erfahrung im Umgang mit dem PC verfügten, konnten sich problemlos von
anderen helfen lassen.
- Die meisten Schüler des LK Deutsch
beurteilten positiv, dass die Gruppeneinteilung durch den Lehrer vorgenommen
wurde und der Lehrer die Zwischenergebnisse der Gruppen durchsah.
Zum Thema und der Projektarbeit
generell:
- Einhellig wurde die Arbeit als
anstrengend und anspruchsvoll beurteilt.
- Die meisten Schüler waren der
Ansicht, dass es sinnvoll gewesen sei, diese umfangreiche Arbeit
projektmäßig zu bearbeiten, weil es ansonsten nicht möglich gewesen
wäre, den Arbeitsumfang in gleicher Zeit zu bewältigen.
- Kritisiert wird von Schülerseite
die Fächerkombination: das Fach Biologie habe aus Sicht der
geisteswissenschaftlichen Fächer wenig zum Gesamtprodukt beitragen können.
- Einige Schüler sind der
Auffassung, dass das Thema wenig begeisternd gewesen sei, die meisten
wiederum meinen, dass das Thema sinnvoll in die Gesamtplanung des Halbjahres
passe und äußern sich positiv überrascht, dass sie schnell „etwas mit
dem Thema anfangen konnten".
- Vereinzelt wurden
Mitentscheidungsrecht der Schüler bei der Themenauswahl angemahnt sowie
mehr außerschulische Arbeit (Museumsbesuch etc.) gefordert.
Nach oben
Aus
Lehrerperspektive ergaben sich folgende Meinungen:
- Die zu Beginn bestehende Skepsis
über die Fächerkombination bleibt bestehen. Die Lehrer der
geisteswissenschaftlichen Fächer sehen Probleme im Umgang mit den „naturgesetzlich"
auftretenden naturwissenschaftlichen Ergebnissen, wenn nicht von vornherein
eingeplant wird, das Verhältnis Geistes- und Naturwissenschaften zu
thematisieren und dafür auch die Zeit zur Verfügung steht.
- Die Lehrer beurteilen diese konzentrierte
Form der Projektarbeit insgesamt positiv, sehen aber Probleme darin, solche
Projekte während des normalen Unterrichts durchzuführen, weil der
Zusammenhang des Arbeitens durch die Unterbrechungen der Arbeit im normalen
Schulbetrieb gestört werden würde und immer wieder Reibungsverluste durch
Wiederfinden des "roten Fadens" entstehen würden.
- Die Beobachtung der Schüler
während der Teamarbeit und die Ergebnisse der Teamarbeit zeigen eine
gewisse Polarisierung der Schülerschaft:
- Einige Schüler arbeiteten
konzentrierter und gründlicher als im „normalen" Unterricht. Sie
zeigten gewissermaßen „universitäre" Verhaltensweisen in Bezug auf
die Arbeitsweise und Arbeitshaltung, so dass gelegentlich auch äußerlich
universitätsähnliche Atmosphäre aufkam. Letzteres betrifft vor allem
diejenigen Schüler, die auch außerhalb des Projektes eine hohe Motivation
und Leistungsfähigkeit zeigen.
- Einige Schüler zeigten qualitativ
gute Leistungen und eine Arbeitshaltung, die sie außerhalb des Projektes so
nicht praktizieren.
- Ein Teil der Schüler nutzte die
Arbeitsorganisation, um sich hinter der Gruppe zu „verstecken", d.h.
sie erledigten nur kleinere Aufgaben, für die sie unverhältnismäßig viel
Zeit benötigten oder zu benötigen schienen.
- Die Organisation der Arbeit in den
Teams/Gruppen scheint für die Schüler wenig problematisch gewesen zu sein:
Die Arbeitsberichte der Gruppen zeigen, dass eine zielgerichtete und
zweckmäßige Planung einschließlich Zeiteinteilung erfolgte, deren
Einhaltung auch kontrolliert und reflektiert wurde. Wenige Gruppen mussten
ihre Planung modifizieren- in der Regel erweitern -, konnten dies jedoch plausibel begründen.
- Für die Lehrer war die
Vorbereitung des Projektes hinsichtlich der Fülle und Breite des zu
Bedenkenden und des Zeitaufwandes dafür außerordentlich aufwendig, zumal
von vornherein vermieden werden sollte, dass die Schüler insbesondere bei
den Internet-Recherchen planlos „surften". Diese Meinung wird
ausdrücklich auch von den Lehrern vertreten, die bereits seit langem mit
den Neuen Medien vertraut sind und sie häufig nutzen.
- Die Durchführung des Projektes
wurde von den Lehrern ebenfalls als anstrengend empfunden, und zwar einmal
aufgrund der Intensität, mit der die Arbeit der Schüler begleitet werden
musste, zum anderen wegen der quer zum Biorhythmus liegenden Zeiteinteilung
der Projektarbeit, die insbesondere die nicht mehr sehr jungen Lehrer
belastet. Die Lehrer wären dankbar, wenn solche Erfahrungen bei den
Diskussionen über die Ganztagsschule berücksichtigt würden.
- Der Eindruck erhöhter Belastung
ergibt sich auch daraus, dass die Lehrer nach dem Ende der täglichen
Projektarbeit, d.h. nach einem achtstündigen intensiven Arbeitstag noch
erhebliche Vorbereitungen für den nächsten Tag zu leisten hatten (Suche
nach bestimmten nachgefragten Büchern; Durchsehen der Zwischenergebnisse,
um am folgenden Morgen die Gruppen beraten zu können, etc.). Zudem stand
für die Lehrer am Ende der Projektwoche kein arbeitsfreies Wochenende an,
sondern die Korrektur der Klassenarbeiten/Klausuren, die während der Woche
nicht geleistet werden konnte.
- Als entlastend wurde dagegen
empfunden, dass es möglich war, sich über einen längeren Zeitraum
gründlich mit
einem Thema zu beschäftigen, im Gegensatz zu dem sonst üblichen 45- oder
90minütigem Wechsel von Thema und Klasse.
- Die Lehrer stimmten auch in der
Rückschau darin überein, dass es sinnvoll war, das Thema gemäss den in
der Vorbemerkung dargestellten Kriterien festzulegen, es also in den Ablauf
des Halbjahresstoffes zu integrieren.
- Scharf zu kritisieren ist aus
Lehrersicht der Umstand, dass die Curricula Anforderungen stellen, deren
Durchführung bzw. angemessene Beurteilung im Detail letztlich eine
Überforderung der Lehrer darstellt. So erwartet das Curriculum eine
angemessene Präsentation der Ergebnisse, und zwar adressatenbezogen, und
wünscht ausdrücklich, dass die Ergebnisse auch einer breiteren
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, was als Beitrag zur Schulkultur
und zum Erscheinungsbild einer Schule in der Öffentlichkeit gesehen wird.
Auf Hinweis eines Kollegen beschäftigten sich die Lehrer daraufhin mit
urheberrechtlichen Fragen, da die Veröffentlichung insbesondere von
Abbildungen auf Webseiten aus Lehrersicht zu einem zu klärenden Fragenkreis gehörte,
zumal den Lehrern klar war, dass Webseiten ohne Abbildungen nicht mediums-
und adressatenbezogen sein würden. Praktikable und verständliche Ausführungen zu diesem Fragenkreis ließen
sich jedoch nirgendwo finden. Der Blick in die entsprechende Rechtsgrundlage
und deren Kommentierung ließ vermuten, dass es sich bei dem Vorhaben und
angesichts der Zweckbestimmung des Projekts um Schul- und
Unterrichtsgebrauch oder um Zitate in einem selbständigen Sprachwerk handele; jedoch verwendete der Kommentar eine
Unmenge fachspezifischer Begriffe, die letztlich mehr verwirrten als
Aufklärung boten, und verwies auf einzelne Gerichtsurteile, in die keine
Einsicht möglich war. Es muss kritisiert werden, dass solche Überprüfungen
Lehrern an allgemeinbildenden Schulen zugemutet werden, die nicht Jura
studiert haben, zumal offensichtlich das Urheberrecht einen Rechtsbereich
darstellt, der in der Praxis auch von Juristen eine Spezialisierung
verlangt. Rechtsberatung durch entsprechend spezialisierte Anwaltsbüros
sind aus den knappen Etats der Schulen nicht leistbar. Weiter wird von den
Lehrern nunmehr erwartet, eine große Anzahl Einschreiben an (potentielle) Urheberrechtsinhaber zu versenden, was
bedeutet, dass Adressen eruiert werden müssen usw. Das stellte sich als
eine sehr zeitaufwendige Arbeit heraus, die aufgrund von Absagen einiger
Verlage den Ersatz ursprünglich gewählter Materialien erforderlich machte
und dadurch eine ständige Inanspruchnahme von Aufmerksamkeit und Zeit
bedeutete. Zum anderen ist es auch für Schüler nicht sehr motivierend,
wenn aufgrund unbeurteilbarer Rechtslagen das von den Schülern erstellte
Produkt erst längere Zeit nach der Fertigstellung, an der mit voller Kraft
gearbeitet worden war, veröffentlicht werden kann. Solche Probleme sprechen
sich an einer Schule und auch über die eine betroffene Schule hinaus herum
und fördern nicht gerade die Bereitschaft der folgenden Jahrgänge, sich
auch an ein solches Projekt zu begeben. Letztlich richtet sich
die Kritik gegen die Macher des Curriculums und diejenigen, die Umgang
mit Neuen Medien wünschen, Wettbewerbe insbesondere für Internet-Projekte
ausschreiben, die Basis aber mit solchen Problemen alleine stehen lassen.
Wir können also nur hoffen, dass unser Vorgehen rechtskonform ist, und
müssen mit der Tatsache leben, dass der Spruch, der Mensch befinde sich auf
hoher See und vor Gericht nur in Gottes Hand, bei der Umsetzung von
Curricula auf göttliche und menschliche Gnade trifft. Wir weisen an dieser Stelle ausdrücklich den Einwand
zurück, die Curricula erwarteten, dass Projekte ausschließlich zu eigenen
kreativ-künstlerischen Leistungen führen sollten, bei denen diese Problematik nicht
auftauchen könne. Wir sind der Auffassung, dass die geistige Durchdringung
und Verarbeitung der Werke anderer ebenfalls einen kreativen Prozess
darstellt, der insbesondere mit den wissenschaftspropädeutischen Zielen der
Richtlinien für die Sekundarstufe II übereinstimmt.
- Bei einer häufigeren
Durchführung derartiger Projektarbeit, die eben nicht nur ein Gebiet
anreißt, muss eine anderweitige deutliche Reduzierung der
Verpflichtungen der Lehrer erfolgen. In diesem Zusammenhang ist klar auf das Gutachten
zur Lehrerarbeitszeit hinzuweisen.
Zuletzt möchten Schüler und Lehrer darauf hinweisen, dass
sie sich über Rückmeldungen zu unserem Projekt freuen, seien sie positiv oder
konstruktiv kritisch. Mailen Sie uns!
Nach oben |